Ostern

Ostern
Photos: Saskia-Marjanna Schulz und Privat

Mittwoch, 12. April 2017

Ferdinand von Saar: Ja, der Winter ging zur Neige




Saskia-Marjanna Schulz



Ostern

Ja, der Winter ging zur Neige,
holder Frühling kommt herbei,
Lieblich schwanken Birkenzweige,
und es glänzt das rote Ei.

Schimmernd wehn die Kirchenfahnen
bei der Glocken Feierklang,
und auf oft betretnen Bahnen
nimmt der Umzug seinen Gang.

Nach dem dumpfen Grabchorale
tönt das Auferstehungslied,
und empor im Himmelsstrahle
schwebt er, der am Kreuz verschied.

So zum schönsten der Symbole
wird das frohe Osterfest,
daß der Mensch sich Glauben hole,
wenn ihn Mut und Kraft verläßt.

Jedes Herz, das Leid getroffen,
fühlt von Anfang sich durchweht,
daß sein Sehnen und sein Hoffen
immer wieder aufersteht.

Ferdinand von Saar


Dienstag, 31. März 2015

Theodor Storm: Ostern


Photo: Saskia-Marjanna Schulz

Es war daheim auf unserm Meeresdeich;
ich ließ den Blick am Horizonte gleiten,
zu mir herüber scholl verheißungsreich
mit vollem Klang das Osterglockenläuten.

Wie brennend Silber funkelte das Meer,
die Inseln schwammen auf dem hohen Spiegel,
die Möwen schossen blendend hin und her,
eintauchend in die Flut der weißen Flügel.

Im tiefen Kooge bis zum Deichesrand
war sammetgrün die Wiese aufgegangen;
der Frühling zog prophetisch über Land,
die Lerchen jauchzen, und die Knospen sprangen.

Entfesselt ist die urgewalt'ge Kraft,
die Erde quillt, die jungen Säfte tropfen,
und alles treibt, und alles webt und schafft,

des Lebens vollste Pulse hör ich klopfen.

Theodor Storm


Photo: Saskia-Marjanna Schulz

Freitag, 17. Mai 2013

PFINGSTBESTELLUNG von Joachim Ringelnatz


Foto: Saskia-Marjanna Schulz


Ein Pfingstgedichtchen will heraus
Ins Freie, ins Kühne.
So treibt es mich aus meinem Haus
Ins Neue, ins Grüne.

Wenn sich der Himmel grau bezieht,
Mich stört’s nicht im geringsten.
Wer meine weiße Hose sieht,
Der merkt doch: Es ist Pfingsten.

Nun hab ich ein Gedicht gedrückt,
Wie Hühner Eier legen,
Und gehe festlich und geschmückt —
Pfingstochse meinetwegen —
Dem Honorar entgegen.

Joachim Ringelnatz

Pfingstgedanken von Bertolt Brecht


Foto: Saskia-Marjanna Schulz



"Pfingsten - 
sind die Geschenke am geringsten - 
während Ostern, Geburtstag und Weihnachten - 
was einbrachten." 

Bertolt Brecht

Freitag, 22. März 2013

Ostern: „Das wäre ja gelacht!“


Foto: Saskia-Marjanna Schulz


Liebe Freundinnen und liebe Freunde,

es ist mal wieder soweit: Es darf gelacht werden. Nein, dies ist kein vorgezogener Aprilscherz und auch kein nachträglicher Ausdruck zum Karneval – es geht um Ostern. Und da darf gelacht werden. Auch wenn der eine oder andere Religionslehrer – und auch die Religionslehrerinnen – dies vor uns geheim halten konnte(n): es darf nicht nur – es muss(te) gelacht werden.

So schreibt zum Beispiel das Bistum Limburg auf seiner Seite „‘Das wäre ja gelacht!‘ Humor und Komik im Religionsunterricht“:  Joseph Ratzinger/Benedikt XVI.: »Zur barocken Liturgie gehörte einst der risus paschalis, das österliche Lachen. Die Osterpredigt musste eine «Narr um Christi Willen» Geschichte enthalten, die zum Lachen reizte, so dass die Kirche von fröhlichem Gelächter widerhallte. Das mag eine etwas oberflächliche und vordergründige Form christlicher Freude sein. Aber ist es nicht eigentlich doch etwas Schönes und Angemessenes, dass Lachen zum liturgischen Symbol geworden war?« (1) Nun denn, lasst uns mal wieder lachen! (2)

Zumindest schmunzeln können wir über den Ausspruch des Zoologen Alfred Edmund Brehm (1829 - 1884):  „Unsere Eltern erzählen uns vielleicht einen Quatsch! Der Weihnachtsmann ist der Papa, der Osterhase auch. Und das mit dem Klapperstorch ist auch nicht wahr, weil wir vom Affen abstammen.“

Und schmunzeln konnte ich auch über „Das perfekte Ei! In 5 Minuten – 11 Sekunden.“ (3)

Also: Fröhliche Ostern!

Herzlichst
Eure/Ihre
Lilli Cremer-Altgeld


1 „Das wäre ja gelacht!“ Humor und Komik im Religionsunterricht“
http://www.service.bistumlimburg.de/ifrr/PDFs/heft202.PDF 
2 a.a.O.
3 University of Oslo: Das perfekte Ei http://www.mn.uio.no/kjemi/tjenester/kunnskap/egg/  

Dienstag, 3. April 2012

Kinderglück: das Osterei!

Foto: Saskia-Marjanna Schulz


Liebe F r e u n d !


Wir wussten: sie waren Rot oder Gelb, Grün, Blau oder Lila. Sie warteten nur darauf, von uns entdeckt und bejubelt zu werden. Denn irgendwie schmeckten sie anders. Besser als die gewöhnlichen hartgekochten Eier. Selbst als wir schon wussten, dass sie nicht vom Osterhasen persönlich angepinselt worden waren.


Wir alle erinnern uns an sie: die stolzen Trophäen am Ostermorgen.


Auch Dichter und Schriftsteller haben sie geliebt – Hymnen auf sie geschrieben. Die unserem Geist so gut schmecken wie damals die echten Ostereier – die wir als Siegesbeute (Wer hat die meisten? Wer die Schönsten?) nach Hause trugen. Ostereier. Hier sind die Erinnerungen.


Frohe Ostern
Ihre/Eure
Lilli Creme-Altgeld



Fröhliche Ostern


Da seht aufs neue dieses alte Wunder:


Der Osterhase kakelt wie ein Huhn


und fabriziert dort unter dem Holunder


ein Ei und noch ein Ei und hat zu tun.


Und auch der Mensch reckt frohbewegt die Glieder -


er zählt die Kinderchens: eins, zwei und drei . . .


Ja, was errötet denn die Gattin wieder?


Ei, ei, ei


ei, ei


ei!


Der fleißige Kaufherr aber packt die Ware


ins pappne Ei zum besseren Konsum:


Ein seidnes Schnupftuch, Nadeln für die Haare,


die Glitzerbrosche und das Riechparfuhm.


Das junge Volk, so Mädchen wie die Knaben,


sucht die voll Sinn versteckte Leckerei.


Man ruft beglückt, wenn sies gefunden haben:


Ei, ei, ei


ei, ei


ei!


Und Hans und Lene Steckens in die Jacke,


das liebe Osterei - wen freut es nicht?


Glatt, wohlfeil, etwas süßlich im Geschmacke,


und ohne jedes innre Gleichgewicht.


Die deutsche Politik . . . Was wollt ich sagen?


Bei uns zu Lande ist das einerlei -


und kurz und gut: Verderbt euch nicht den Magen!


Vergnügtes Fest! Vergnügtes Osterei!


Kurt Tucholsky (1890-1935)





Das Osterei


Hei, juchhei! Kommt herbei!


Suchen wir das Osterei!


Immerfort, hier und dort


Und an jedem Ort!


Ist es noch so gut versteckt,


Endlich wird es doch entdeckt.


Hier ein Ei! dort ein Ei!


Bald sind's zwei und drei.


Wer nicht blind, der gewinnt


Einen schönen Fund geschwind.


Eier blau, roth und grau


Kommen bald zur Schau.


Und ich sag's, es bleibt dabei,


Gern such' ich ein Osterei:


Zu gering ist kein Ding,


Selbst kein Pfifferling.


August Heinrich Hoffmann von Fallersleben (1798-1874)





Auf ein Ei geschrieben.


Ostern ist zwar schon vorbei,


Also dies kein Osterei;


Doch wer sagt, es sei kein Segen,


Wenn im Mai die Hasen legen?


Aus der Pfanne, aus dem Schmalz


Schmeckt ein Eilein jedenfalls,


Und kurzum, mich täts gaudieren,


Dir dies Ei zu präsentieren,


Und zugleich tät es mich kitzeln,


Dir ein Rätsel draufzukritzeln.






Die Sophisten und die Pfaffen


Stritten sich mit viel Geschrei:


Was hat Gott zuerst erschaffen,


Wohl die Henne? wohl das Ei?






Wäre das so schwer zu lösen?


Erstlich ward ein Ei erdacht:


Doch weil noch kein Huhn gewesen,


Schatz, so hats der Has gebracht.


Eduard Mörike (1804-1875)

Sonntag, 10. April 2011

Fröhliche Ostern

Photo: Saskia-Marjanna Schulz

Buona Pasqua, Fuhuo Jie Kuai Le, Срећан Ускрс, Glaedelig Påske, feseh Magied, Happy Easter, Feliĉan pask(fest)on, Hauskaa Pääsiäistä, Joyeuses Pâques, Χριστος ανεστη, Kali Anesti, veselé velikonoce, Wesol`ych S`wia`t, Feliz Pascua!, Christos woskrese, Kellemes Húsvétot, za veliko noc vse najboljse, Pesach Sameach, Tratry ny Paska!, Sretan Uskrs, Glad Påsk!, Paşte fericit, Vrolijke Pasen, Feliz Páscoa!, Pozdrovlaju s voskresenijem!

Freitag, 7. Januar 2011

Forum: Hochbegabung - Drama oder Erfolgsstory ?


Wenn von Hochbegabung/Höchstbegabung gesprochen wird, sind oft die intellektuellen Fähigkeiten gemeint. Aber Hochbegabung/Höchstbegabung ist viel mehr. Dazu zählen z.B. auch soziale Kompetenz, psychomotorisch-praktische Fähigkeiten (z.B. Tennis spielen, Formel 1), musische Fähigkeiten, bildnerisch-darstellende Begabungen (z.B. malen, fotografieren, bildhauern).

Manche Hochbegabte sind in einigen Fächern/Bereichen manchmal weniger begabt und zweifeln dann insgesamt an ihrem Können. Manche dieser Menschen haben eine sehr lange Pubertätsphase und fragen sich: werde ich überhaupt nicht erwachsen? (Was in mancher Hinsicht auch ein Vorteil sein kann.)

Ein auffallendes Problem ist der Selbstzweifel – und auch der Zweifel von anderen – vor dem Hintergrund des tiefen inneren „Wissens“ oder der Intuition: Ich weiss, dass ich etwas ganz Besonderes kann bzw. : Ich weiss, dass ich etwas ganz besonders (gut) kann. Oft fehlt dann die Einsicht oder auch der Mut zum nächsten Schritt – zur nächsten Frage: aber was? Oder auch: wer kann mir dabei helfen? Anregungen finden Sie dazu hier im Forum.

Die Moderatorinnen, Lilli Cremer-Altgeld und Saskia-Marjanna Schulz, möchten mit diesen Informationen Mut machen und anregen, sich mit anderen Hochbegabten und Höchstbegabten zu vernetzen. Wenn Sie Fragen direkt an das Moderatorinnenteam haben, so senden Sie uns eine mail Hochbegabte@t-online.de

Wenn Sie zum Kreis der Hochbegabten/Höchstbegabten zählen, wenn Ihre Angehörigen hochbegabt sind, Sie Hochbegabte betreuen oder unterrichten, dann sind Sie herzlich willkommen

Forum Hochbegabung - Drama oder Erfolgsstory ?

Kontakt:

Lilli Cremer-Altgeld
Graf-Salm-Str 34
D-50181 Bedburg/Köln


Mobil + 49 (0) 151 1431 3556
Fon + 49 (0) 2272 4097 900
Fax + 49 (0) 2272 4097 901

Dienstag, 16. März 2010

Interview mit der Künstlerin Saskia-Marjanna Schulz


Ostern für Hochbegabte: Frau Schulz, seit Ihrer Kindheit lernen und studieren Sie Kunst. Ihre Vorlieben sind Malerei, aber auch Skulpturen und Drucktechniken. Seit Ihrem 14. Lebensjahr veröffentlichen Sie Ihre künstlerischen Werke. Wie kann ich mir vorstellen, wie eine Kunstlerin sieht? Was sehen Sie anders als andere Menschen? Was sehen Sie, was anderen zumeist verborgen bleibt?
Saskia-Marjanna Schulz: Ich nehme vielfach Details und Symmetrien in meiner Umgebung wahr. Nicht alle werden von anderen Menschen gesehen. Zudem sprechen die Gegenstände um mich herum manchmal mit mir. Ich versuche dann, diesen Ausdruck in Bildern einzufangen und für andere sichtbar zu machen. Da ich alles begierig aufsauge, fühle ich mich oft reizüberflutet, insbesondere auf Reisen. Das lässt sich beschreiben als hätte ich statt zwei Litern Wasser am Tag fünf getrunken, sprich viel zu viel.

Ostern für Hochbegabte: Eine Symmetrie - ein Ebenmass - fasziniert Sie. Was daran? Ist es die Harmonie? Oder hat es etwas mit Naturwissenschaften zu tun? Mathematik? Physik? Chemie?
Saskia-Marjanna Schulz: Symmetrien faszinieren mich seit jeher, ich konnte als Kind stundenlang die Symmetrien von Muscheln und Blüten betrachten. Was zur Folge hatte, dass meine Umgebung - auch heute noch - des häufigeren auf mich warten musste. Am meisten fasziniert mich glaube ich die höhere Ordnung, die dahinter steht als auch das Staunen über die kreative Vielfalt, die uns umgibt. Mein naturwissenschaftlicher Hintergrund mag mir das Erkennen und Analysieren erleichtern, doch erklärt er nur Teile des Ganzen.

Ostern für Hochbegabte: Wo sehen Sie normalerweise zu Ostern die Symmetrien? Mit welchen haben Sie sich da näher beschäftigt?
Saskia-Marjanna Schulz: Die Form des Eies an sich ist eine wunderbare Symmetrie, die durch Aufmalen von Mustern fast nur gemindert werden kann. Eierbemalen finde ich eine schöne Beschäftigung - es hat fast etwas Meditatives. Es geht schliesslich nichts über einen schönen Osterstrauss mit frischen Blütenzweigen, an dem kleine Kunstwerke hängen. Weitere Symmetrien sind sicherlich die überall aus der Erde hervorschauenden Blumen - mein Osterfavorit ist hier die Schlüsselblume, die ich als Kind unerlaubt im Wald ausgegraben und im heimischen Garten wieder eingepflanzt habe. Dort blühen sie noch heute.

Ostern für Hochbegabte: Welche Oster-Symbole sind in Ihren Augen besonders symmetrisch?
Saskia-Marjanna Schulz: Wie schon gesagt an erster Stelle das Ei, auch Nester sind spannend, dann die Anemone oder auch Osterblume stellvertretend für alles Blühende. Die Symmetrie eines fein gedeckten Ostertisches ruft bei mir eher Beklemmungen hervor.

Ostern für Hochbegabte: Wenn eine Oster-Fee käme und Ihnen eine Ausstellung ausrichten würde: wo und mit welchen Werken würden Sie gerne einmal Ihre Kunst ausstellen?
Saskia-Marjanna Schulz: Meinen Photographien und Skulpturen in einer
Ausstellung im MoMA gegenüberzustehen, das wäre toll!

Mit Saskia-Marjanna Schulz sprach für Ostern für Hochbegabte Lilli Cremer-Altgeld.

Montag, 15. März 2010

Goethes Osterspaziergang




Foto: Saskia-Marjanna Schulz

Vor dem Tor

Vom Eise befreit sind Strom und Bäche
Durch des Frühlings holden, belebenden Blick,
Im Tale grünet Hoffnungsglück;
Der alte Winter, in seiner Schwäche,
Zog sich in rauhe Berge zurück.
Von dort her sendet er, fliehend, nur
Ohnmächtige Schauer körnigen Eises
In Streifen über die grünende Flur.
Aber die Sonne duldet kein Weißes,
Überall regt sich Bildung und Streben,
Alles will sie mit Farben beleben;
Doch an Blumen fehlts im Revier,
Sie nimmt geputzte Menschen dafür.
Kehre dich um, von diesen Höhen
Nach der Stadt zurück zu sehen!
Aus dem hohlen finstern Tor
Dringt ein buntes Gewimmel hervor.
Jeder sonnt sich heute so gern.
Sie feiern die Auferstehung des Herrn,
Denn sie sind selber auferstanden:
Aus niedriger Häuser dumpfen Gemächern,
Aus Handwerks- und Gewerbesbanden,
Aus dem Druck von Giebeln und Dächern,
Aus der Straßen quetschender Enge,
Aus der Kirchen ehrwürdiger Nacht
Sind sie alle ans Licht gebracht.
Sieh nur, sieh! wie behend sich die Menge
Durch die Gärten und Felder zerschlägt,
Wie der Fluß in Breit und Länge
So manchen lustigen Nachen bewegt,
Und, bis zum Sinken überladen,
Entfernt sich dieser letzte Kahn.
Selbst von des Berges fernen Pfaden
Blinken uns farbige Kleider an.
Ich höre schon des Dorfs Getümmel,
Hier ist des Volkes wahrer Himmel,
Zufrieden jauchzet groß und klein:
Hier bin ich Mensch, hier darf ichs sein!


(Johann Wolfgang von Goethe, 1749-1832, Faust I)





Joseph von Eichendorff: Ostern



Vom Münster Trauerglocken klingen,
Vom Tal ein Jauchzen schallt herauf.
Zur Ruh sie dort dem Toten singen,
Die Lerchen jubeln: wache auf!
Mit Erde sie ihn still bedecken,
Das Grün aus allen Gräbern bricht,
Die Ströme hell durchs Land sich strecken,
Der Wald ernst wie in Träumen spricht,
Und bei den Klängen, Jauchzen, Trauern,
So weit ins Land man schauen mag,
Es ist ein tiefes Frühlingsschauern
Als wie ein Auferstehungstag.

Joseph von Eichendorff (1788-1857)



Zur Osterzeit


Ist das ein Ostern! - Schnee und Eis
hielt noch die Erde fest umfangen;
frostschauernd sind am Weidenreis
die Palmenkätzchen aufgegangen.

Verstohlen durch den Wolkenflor
blitzt hie und da ein Sonnenfunken -
es war, als sei im Weihnachtstraum
die schlummermüde Welt versunken.

Es war, als sollten nimmermehr
ins blaue Meer die Segel gehen, -
im Park ertönen Finkenschlag,
und Veilchenduft das Tal durchwehen. -

Und dennoch, Seele, sei gewiß:
Wie eng sich auch die Fesseln schlingen,
es wird der Lenz, das Sonnenkind,
dem Schoß der Erde sich entringen.

Dann sinkt dahin wie Nebelflor
auch all dein Weh und deine Sorgen,
und veilchenäugig lacht dich an
ein goldner Auferstehungsmorgen! -
Clara Müller-Jahnke (1816-1905)

Ostermorgen


Die Lerche stieg am Ostermorgen
Empor ins klarste Luftgebiet
Und schmettert', hoch im Blau verborgen,
Ein freudig Auferstehungslied,
Und wie sie schmetterte, da klangen
Es tausend Stimmen nach im Feld:
Wach auf, das Alte ist vergangen,
Wach auf, du froh verjüngte Welt!

Wacht auf und rauscht durchs Tal, ihr Bronnen,
Und lobt den Herrn mit frohem Schall!
Wacht auf im Frühlingsglanz der Sonnen,
Ihr grünen Halm' und Läuber all!
Ihr Veilchen in den Waldesgründen,
Ihr Primeln weiß, ihr Blüten rot,
Ihr sollt es alle mit verkünden:
Die Lieb' ist stärker als der Tod.

Wacht auf, ihr trägen Menschenherzen,
Die ihr im Winterschlafe säumt,
In dumpfen Lüsten, dumpfen Schmerzen
Ein gottentfremdet Dasein träumt.
Die Kraft des Herrn weht durch die Lande
Wie Jugendhauch, o laßt sie ein!
Zerreißt wie Simson eure Bande,
Und wie der Adler sollt ihr sein.

Wacht auf, ihr Geister, deren Sehnen
Gebrochen an den Gräbern steht,
Ihr trüben Augen, die vor Tränen
Ihr nicht des Frühlings Blüten seht,
Ihr Grübler, die ihr fern verloren
Traumwandelnd irrt auf wüster Bahn,
Wacht auf! Die Welt ist neugeboren,
Hier ist ein Wunder, nehmt es an!

Ihr sollt euch all des Heiles freuen,
Das über euch ergossen ward!
Es ist ein inniges Erneuen
Im Bild des Frühlings offenbart.
Was dürr war, grünt im Wehn der Lüfte,
Jung wird das Alte fern und nah,
Der Odem Gottes sprengt die Grüfte –
Wacht auf! der Ostertag ist da.
Emanuel Geibel (1815-1884)

Oster-Gedanken


Lasst uns mit den frommen Frauen,
Nun der frühe Tag anbricht,
Für erwachtem Sonnen-Licht
Zu des Herren Grabe schauen.
Lasst uns Salb' und Specerei,
Seinem Körper bringen bei.

Seht Aurorens Röt aufsteigen,
Und der helle Morgen-Stern
Wird uns selbst den Weg zum Herrn
Durch den kühlen Tau anzeigen.
Aber ach! der schwere Stein
Kömmt mir unterwegens ein.

Kann ich mit dem Stein der Sünden,
Der mir auf dem Rücken liegt,
Tausend Zentner überwiegt,
Mich zur heilgen Stätte finden?
Wo treff ich den Simson an
Der den Stein abwälzen kann?

Unverzagt! dir ist geraten,
Der, den du besuchen wilt,
Hat den Kummer schon gestillt:
Seine Treu kömmt dir zu statten,
Hebt den Stein für sich und dich,
Und nimmt deine Last auf sich.

Mag ihn Sünd und Tod nicht zwingen,
Hält ihn nicht der Höllen Kluft,
Kann er sich durch Stein und Gruft
Lebend in die Höhe schwingen,
So wird auch kein Sünden-Stein
Ihm bei dir zu mächtig sein.

Schau, das leere Grab ist offen,
Wo dein liebster Heiland lag,
Nun hast du den Oster-Tag
Froher Seligkeit zu hoffen,
Und durchs kühle Schlaf-Gemach
Folgst du ihm in Himmel nach.
Hans Aßmann von Abschatz (1646-1699)