Ostern

Ostern
Photos: Saskia-Marjanna Schulz und Privat

Dienstag, 3. April 2012

Kinderglück: das Osterei!

Foto: Saskia-Marjanna Schulz


Liebe F r e u n d !


Wir wussten: sie waren Rot oder Gelb, Grün, Blau oder Lila. Sie warteten nur darauf, von uns entdeckt und bejubelt zu werden. Denn irgendwie schmeckten sie anders. Besser als die gewöhnlichen hartgekochten Eier. Selbst als wir schon wussten, dass sie nicht vom Osterhasen persönlich angepinselt worden waren.


Wir alle erinnern uns an sie: die stolzen Trophäen am Ostermorgen.


Auch Dichter und Schriftsteller haben sie geliebt – Hymnen auf sie geschrieben. Die unserem Geist so gut schmecken wie damals die echten Ostereier – die wir als Siegesbeute (Wer hat die meisten? Wer die Schönsten?) nach Hause trugen. Ostereier. Hier sind die Erinnerungen.


Frohe Ostern
Ihre/Eure
Lilli Creme-Altgeld



Fröhliche Ostern


Da seht aufs neue dieses alte Wunder:


Der Osterhase kakelt wie ein Huhn


und fabriziert dort unter dem Holunder


ein Ei und noch ein Ei und hat zu tun.


Und auch der Mensch reckt frohbewegt die Glieder -


er zählt die Kinderchens: eins, zwei und drei . . .


Ja, was errötet denn die Gattin wieder?


Ei, ei, ei


ei, ei


ei!


Der fleißige Kaufherr aber packt die Ware


ins pappne Ei zum besseren Konsum:


Ein seidnes Schnupftuch, Nadeln für die Haare,


die Glitzerbrosche und das Riechparfuhm.


Das junge Volk, so Mädchen wie die Knaben,


sucht die voll Sinn versteckte Leckerei.


Man ruft beglückt, wenn sies gefunden haben:


Ei, ei, ei


ei, ei


ei!


Und Hans und Lene Steckens in die Jacke,


das liebe Osterei - wen freut es nicht?


Glatt, wohlfeil, etwas süßlich im Geschmacke,


und ohne jedes innre Gleichgewicht.


Die deutsche Politik . . . Was wollt ich sagen?


Bei uns zu Lande ist das einerlei -


und kurz und gut: Verderbt euch nicht den Magen!


Vergnügtes Fest! Vergnügtes Osterei!


Kurt Tucholsky (1890-1935)





Das Osterei


Hei, juchhei! Kommt herbei!


Suchen wir das Osterei!


Immerfort, hier und dort


Und an jedem Ort!


Ist es noch so gut versteckt,


Endlich wird es doch entdeckt.


Hier ein Ei! dort ein Ei!


Bald sind's zwei und drei.


Wer nicht blind, der gewinnt


Einen schönen Fund geschwind.


Eier blau, roth und grau


Kommen bald zur Schau.


Und ich sag's, es bleibt dabei,


Gern such' ich ein Osterei:


Zu gering ist kein Ding,


Selbst kein Pfifferling.


August Heinrich Hoffmann von Fallersleben (1798-1874)





Auf ein Ei geschrieben.


Ostern ist zwar schon vorbei,


Also dies kein Osterei;


Doch wer sagt, es sei kein Segen,


Wenn im Mai die Hasen legen?


Aus der Pfanne, aus dem Schmalz


Schmeckt ein Eilein jedenfalls,


Und kurzum, mich täts gaudieren,


Dir dies Ei zu präsentieren,


Und zugleich tät es mich kitzeln,


Dir ein Rätsel draufzukritzeln.






Die Sophisten und die Pfaffen


Stritten sich mit viel Geschrei:


Was hat Gott zuerst erschaffen,


Wohl die Henne? wohl das Ei?






Wäre das so schwer zu lösen?


Erstlich ward ein Ei erdacht:


Doch weil noch kein Huhn gewesen,


Schatz, so hats der Has gebracht.


Eduard Mörike (1804-1875)